Schönhausener Schlossgespräche
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corinna harfouch

30. November 2011

 

 

Wenn man in „solch“ Gesprächen selber zum Nachdenken kommt und
was neues erlebt darin - dann ist man glücklich - und dafür und dafür
und dafür Danke
Corinna Harfouch
30.11.2011

 

 

„Wollt ihr das überhaupt hören?“

 

Corinna Harfouchs Frage war rhetorisch gemeint. Das Publikum wollte es hören. Und Frau Harfouch wollte es auch erzählen. Sie - die Talkshows meidet und Interviews nur selten zulässt. Sie – die als scheu und unnahbar gilt. Nichts von dem war an diesem Abend zu spüren. Im Gegenteil: Sie sprühte vor Energie und Offenheit. Das lag vor allem an Robert Rauh, der ein Gespräch führte und offensichtlich gleich zu Beginn einen Draht zu der prominenten Schauspielerin gefunden hatte. Zeitweise sah es so aus, als wenn er ihrem Charme fast verfallen wäre.
Und sie ließ sich auf seine Fragen ein: über ihre berufliche Biografie, über das Spielen zu DDR-Zeiten und heute, über das Verhältnis zwischen Publikum und Schauspielerin sowie über ihre zweite Leidenschaft, das Lesen! Zwischendurch lieferten sich die beiden einen witzigen, fast kabinettsreifen Schlagabtausch, so dass das Publikum herzhaft lachte und begeistert klatschte. Die beiden wirkten so natürlich und offen – man hatte das Gefühl, zwei Menschen in einem Café bei einem fast privaten Gespräch zuhören zu dürfen.
Angesprochen wurden Frau Harfouchs große und kleine Rollen - und gezeigt wurden Ausschnitte aus ihren berühmtesten Filmen: „Vera Brühne“, „Der Untergang“ (Magda Goebbels) und „Bibi Blocksberg“ (als Hexe Rabia). Sichtlich gerührt zeigte sich die Schauspielerin über einen Zusammenschnitt aus Interviews mit Besuchern des Pankower Schlossparks, die extra für die Veranstaltung über Corinna Harfouch befragt worden waren. Die druckreifen Antworten wirkten wie eine Hommage an eine großartige Schauspielerin.
Sehr berührend war gleich der Beginn des Gespräches, als Herr Rauh Corinna Harfouch fragte, was Christa Wolf für sie bedeute. Sie überlegte lange mit der Antwort und sprach uns im Saal aus dem Herzen: Die Schriftstellerin, mit der sie häufig zusammen saß, als sie noch Nachbarinnen in Pankow waren, bedeute für sie Heimat. Thematisiert wurde dann Christa Wolfs berühmte Erzählung „Kassandra“, die Corinna Harfouch 2005 für ein Hörbuch gelesen hatte. Frau Harfouch deutete an, dass es Christa Wolf wirklich nicht gut gehe. Die Schriftstellerin wollte eigentlich im Oktober zum Schlossgespräch kommen, musste aber kurzfristig aus gesundheitlichen Gründen absagen. Moderator Robert Rauh ergänzte dann aber hoffnungsvoll, Christa Wolf hätte ihm gesagt, sie wäre so gern gekommen und hoffe, die Veranstaltung im nächsten Jahr nachzuholen ... Einen Tag später wurde  bekannt gegeben, dass Christa Wolf am Morgen verstorben sei.     

Manuela Stein

 

 

Zur Biografie

 

Für die 1954 in Thüringen geborene Corinna Harfouch war schon frühzeitig klar, dass sie (nur) spielen wollte. Und sie spielt – als preisgekrönte Charakterdarstellerin in zahlreichen Theateraufführungen unter der Regie von Heiner Müller, Frank Castorf und Jürgen Gosch sowie in diversen Fernseh- (Eva Blond, Vera Brühne) und Filmrollen (Magda Goebbels in „Der Untergang“).
Dabei wurde sie mit 18 zunächst von der Berliner Schauspielschule abgelehnt: fehlende Leidenschaft! Weil sie das Urteil der Fachleute nicht anzweifelte, orientierte sie sich beruflich zunächst um: Sie lernte Krankenschwester und begann an der TU Dresden ein Studium zur Textilingenieurin, bevor sie sich ein zweites Mal bewarb – und angenommen wurde. Sie gehörte zunächst zum Ensemble der Berliner Volksbühne, des Berliner Ensemble und kurzzeitig des DT, bevor sie Anfang der 90er Jahre freischaffend wurde. Die viel beschäftigte Schauspielerin wurde für ihre Rollen auch vielfach ausgezeichnet. 
Corinna Harfouch meidet Talkshows und gibt selten Interviews; sie gilt als unnahbar. Der 2009 uraufgeführte Dokumentarfilm über die Schauspielerin zeigt jedoch, dass Schlagwörter dem Phänomen Harfouch nicht gerecht werden: „Ich glaube ganz prinzipiell daran“, so Corinna Harfouch, „dass alles sehr kompliziert ist. Nichts ist wirklich einfach. Und das zu beschreiben, darin besteht die Lust meines Berufs.“

 

 

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